Das Müssen verdirbt mir die Freude

 
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BeitragVerfasst am: Di Aug 16, 2005 17:52
   Titel: Das Müssen verdirbt mir die Freude


    

Liebes Ella Team,

wenn mich jemand fragte, ob ich mich für einen glücklichen Menschen halte, würde ich das durchaus bejahen. Leider bin ich aber im letzten halben Jahr zu einem ziemlichen Miesmuffel geworden, was hauptsächlich daran liegt, daß mein Job total überhand genommen hat. Im Büro haben wir so viel Arbeit, daß man es gar nicht schaffen kann und somit jeder an seine Leistungsgrenze gehen muß. Mir macht meine Arbeit eigentlich Spaß, ich konstruiere wissenschafliche Maschienen und baue sie dann, ein sehr schöpferischer Beruf. Aber nach 12h Arbeit ist bei mir die Luft raus und danach habe ich auch keine Lust mehr auf irgend etwas anderes. Irgendwie habe ich darüber die Freude am Leben verlernt.

Auf eine meiner Dienstreisen hat mir meine Freundin das Ella-Buch mitgegeben und ich habe es verschlungen. Es hat in mir die große Sehnsucht geweckt, daß ich mich wieder leicht und glücklich fühlen will.

Nach reichlichem Nachdenken und Nachfühlen und ausprobieren bin ich darauf gekommen, daß ein Schlüsselverhalten bei mir ist, daß ich es hasse, etwas tun zu müssen. Wenn ich auf etwas Lust habe und mir dann jemand sagt, das müsse ich jetzt machen, sonst gäbe es Ärger, ist bei mir jegliche Freude daran vorbei. Manchmal ist mir sogar das Atmen zuwieder, weil man davon so abhängig ist, dann atme ich ganz flach und verkrampfe noch mehr. Schon als Kind war ich extrem trotzig und wollte immer meinen Willen durchsetzen. Verbotenes wird interessant, Zwänge werden abstoßend. So ist wohl jeder Mensch, jeder in seinem Maße.

Für mich bedeutet es gerade ein Dilemma, denn es gibt immer in Leben Dinge, die nun mal getan werden müssen. Wenn ich mich jeden Morgen neu für meine Arbeit entscheiden könnte, würde ich dort ne Menge Spaß haben, aber dafür bräuchte ich das Gefühl, mich auch dagegen entscheiden zu können. Ich bezweifle, daß es den Job gibt, wo man mal kommen kann und mal nicht, wie es die Stimmung gerade will, abgesehen vom Bettler an der Ecke. Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren, um zu erkennen, daß mir alle Entscheidungen offen stehen.

Vielleicht hat ja jemand noch ne andere Lösung für mich.

Danke und viele Grüße!

Matthias

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BeitragVerfasst am: Di Aug 16, 2005 17:54
   Titel: Das Müssen verdirbt mir die Freude


    

Lieber Matthias!

Zum Bettler musst Du natürlich nicht unbedingt werden, um zu erkennen, dass Dir alle Entscheidungen offen stehen J. Aber Hut ab, Du hast sehr genau erkannt, worum es Dir geht. Du möchtest machen können, was Du willst, also möglichst viele Freiheits-Gefühle haben.

Das klingt schon mal gut. J Dann lass uns doch mal sehen, wo in unserem Leben überall Freiheits- Momente zu finden sind. Wenn Du das ein wenig geübt hast, wirst Du nämlich diese Fähigkeit auch leicht auf Deinen Job übertragen können und Dich dadurch auch dort wesentlich freier fühlen.

Wenn Du beispielsweise in einen Supermarkt gehst, dann suchst Du Dir die Dinge aus, die Du am liebsten haben möchtest. Vielleicht ist Deine Lieblingsschokolade aber ausverkauft. Dann stehst Du vor der Wahl: Nimmst du eine andere Schokolade oder gehst Du eventuell in einen anderen Supermarkt.

Du wählst also aus, was Du unter den gegebenen Möglichkeiten am liebsten möchtest.

Ähnlich verhält es sich beim Autofahren. Da kommt vielleicht der Vorschlag (vom Verkehrsschild), dass Du 100 km/h fahren sollst. Du suchst Dir aus, ob Du Dich an den Vorschlag hältst, 100 zu fahren, oder ob Du einfach schneller fährst. Das schneller Fahren kann natürlich ein bisschen Geld kosten. Aber niemand kann uns in diesem Moment zwingen, 100 zu fahren. Unsere Entscheidung hat halt möglicherweise Konsequenzen.

Ich kann z.B. mein Auto überall abstellen, aber an manchen Stellen kann es halt sein, dass es abgeschleppt wird.

Anderes Beispiel: Vielleicht wollen unsere Freunde, dass wir mit ihnen ins Kino gehen, aber auf den Film haben wir gerade keine Lust. Kann uns jetzt jemand zwingen, in den Film zu gehen? Natürlich nicht. Wir können aussuchen, ob wir uns den Film trotzdem ansehen und die Zeit mit unseren Freunden genießen, ob wir zu Hause bleiben oder ob wir unsere Freunde für einen besseren Film umstimmen.

Übrigens kannst Dich nicht mal jemand zum Atmen zwingen. Ich habe extra für Dich den Test gemacht: Ich habe einfach die Luft angehalten, bis ich plötzlich sehr viel mehr Lust bekam, wieder weiter zu atmen, als die Konsequenzen in Kauf zu nehmen.

Dann ist es doch auch ne freie Wahl.

Das Leben bietet uns also viele Wahl- Möglichkeiten an, und wir sind immer diejenigen, die aussuchen können. Gerade ist da ja niemand, der uns zwingen möchte, Zähne zu putzen oder Hände zu waschen. Das war vielleicht als Kind immer so langweilig. Doch heute wählen nicht mehr unsere Eltern für uns, welche Fernsehsendungen geeignet ist, oder wann wir müde werden sollen, ect. Es wäre also heute angemessener, uns recht frei zu fühlen.

Wir entscheiden über unser Leben, nur manchmal hat das, was wir tun, halt Konsequenzen. Also suche ich mir unter den gegebenen Umständen die beste Möglichkeit aus.

Dabei beachte ich, dass ich sowohl kurzfristig als auch langfristig die größten Glücksmomente in mein Leben ziehe. Und das ist doch ein echter Luxus, solche Entscheidungen treffen zu können!

Wenn ich also heute Lust habe, die Arbeit sausen zu lassen, und nach Jamaika fliege, dann ist das kurzfristig bestimmt lustig, aber mein langfristiges Glück könnte dabei schon in den Keller gehen. Zum Beispiel wenn mein Geld ausgeht, oder wenn ich mich dann beruflich nicht mehr verwirklichen könnte.

Du weißt ja prinzipiell, dass Deine Existenz über das Arbeitsamt oder das Sozialamt abgesichert ist. Kann Dich also überhaupt jemand zwingen, dass Du zur Arbeit gehst?

Natürlich nicht!

Aber es könnte schon sein, dass Du dann weniger Geld für Hobbies , Urlaub, ect. hättest.

Wenn Du also morgens aufwachst, kannst Du Dir aussuchen, ob Du weiterhin Geld haben möchtest für Urlaub und finanzielle Freiheiten, oder ob Du zu Hause bleibst und halt mit weniger Geld häusliche Freiheiten genießen möchtest.

Das kann natürlich nur jeder für sich persönlich entscheiden. Wann hast denn Du kurz- und langfristig die größten Glücksmomente?

Das Leben bietet uns also viele Wahlmöglichkeiten an. Man könnte ja z.B. auch Weiterbildungen machen, die Firma wechseln, den Aufgabenbereich, sich selbständig machen, etc. Und es sind immer wir selbst, die frei entscheiden!

Allein das Wissen, dass wir es sind, die entscheiden, macht für unseren Instinkt ein anderes Gefühl. Es ermöglicht, sich mit freien Gefühlen für das Beste zu entscheiden. Und nicht nur das. Wir können auch entscheiden, WIE wir die Arbeit machen wollen. Mit Spaß und Leichtigkeit z.B., oder einfach so, wie wir uns gerne bei der Arbeit fühlen möchten.

Wenn Du Lust hast, kannst Du Dir auch eine Freiheitswoche gönnen. Eine Woche, in der Du gezielt darauf achtest, die Freiheiten und Wahlmöglichkeiten in Deinem Leben zu erkennen und zu genießen. Dann werden die freien Gefühle immer noch stärker. Und die Arbeit kann wieder Spaß machen.

Alles Liebe

Claudia

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